Gelebte Geschichte für Auszubildende: Zeitzeuge berichtet
„Wir wollten im Zusammenhang mit der Landtagswahl und dem immer stärker aufkeimenden Rechtsextremismus und Antisemitismus ein Zeichen setzen. Viele Jugendliche aus der IG BAU sind Erstwähler. Wir haben uns gesagt, wir müssen etwas tun um einem zweiten Brandenburg oder Sachsen Vorschub zu leisten“, erklärte Jan Kuhnert gegenüber AKTIV+GLEICHBERECHTIGT.
Ein Zeitzeuge sollte Auszubildende in Berufsschulen in Nordrhein-Westfalen seine Erlebnisse während des Nationalsozialismus in Deutschland berichten. „Wir konnten Peter Gingold für die Aktion gewinnen. Er hat als aktiver Antifaschist in der französischen Resistance und in der spanischen Resistenza gearbeitet. Heute ist er Sprecher der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) Deutschland und stellvertretender Sprecher des Ausschwitzkomitees.“
In einem ersten Schritt wurden sämtliche Berufsschulen in NRW aus dem IG BAU-Bereich angeschrieben. „Es gab sehr positive Reaktionen seitens der Berufsschulen“, erzählt Jan Kuhnert. Bereits im Februar ging es dann auch schon los. Peter Gingold ging in die Klassen und berichtete über seine Erfahrungen, – und das so mitreißend, dass es für viele Schüler und Schülerinnen eine große Erfahrung war. „Peter Gingold hat keine Mühen gescheut“, erzählt Jan Kuhnert. „Er ist immerhin 89 – aber fit wie ein Turnschuh. Wir haben über 3.000 Jugendliche in fünfzehn Veranstaltungen in ganz Nordrhein-Westfalen besucht.“
Jeweils 90 Minuten stand Peter Gingold, der seit 75 Jahren Mitglied in der Gewerkschaft ist, den Auszubildenden in den Schulen zur Verfügung. Dabei erzählte er die ersten zwanzig Minuten – dann konnten die Jugendlichen selbst Fragen stellen. Immer wieder kam die Frage über seine Flucht nachdem ihn die Gestapo verhaftete, welche Rolle die Frauen im aktiven Widerstand spielten, ob dieses dunkle Kapitel deutscher Geschichte hätte verhindert werden können, nach Parallelen zu heute. Alle Fragen beantwortete er ausführlich und gab Hinweise, wie man sich heute gegen rechte Aktivitäten wehren kann.
„Die Rückmeldungen aus den Schulen waren durchweg positiv.Viele Jugendliche haben sich bedankt und gesagt, dass sich die Zeit nun viel plastischer darstellt. Es ist eben etwas anderes nur etwas in Büchern zu lesen oder aktiv am Leben eines anderen teilhaben zu können“, so Jan Kuhnert. Das Angebot der IG BAU stieß auf unerwartete Resonanz: „Wir hatten so viele Anfragen, dass wir sie nicht alle auf einmal bedienen können. Im Herbst werden wir daher weitere Veranstaltungen durchführen. Peter Gingold hat schon zugesagt“, erklärt Jan Kuhnert abschließend.
Kontakt:
Jan Kuhnert Jugendbildungsreferent
IG BAU – Regionalbüro NRW
Telefon 02 11/9 77 87-17
