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Durch Gedenken die Augen öffnen

17.01.2006

Das Projekt "Gedenkstättenbesuch" des Hans-Schwier-Berufskollegs in Gelsenkirchen

Die Erinnerung an die nationalsozialistischen Gräueltaten für die Gegenwart lebendig zu erhalten, um eine Wiederholung für alle Zukunft zu verhindern: Dies hat sich ein Projekt des Hans-Schwier-Berufskollegs in Gelsenkirchen zur Aufgabe gemacht. Der ausführlich vorbereitete Besuch der Gedenkstätte "Gelsenkirchen im Nationalsozialismus" wird ergänzt durch eine Dokumentation, die im Internet publiziert und damit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll. Tief greifende persönliche Eindrücke werden so übertragen in eine Darstellungsform, die in Zeiten zunehmender Internet-Nutzung vermittlungsfähig ist und zur Nachahmung anregen kann.

Dem Gedenkstättenbesuch ging eine intensive Phase der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus voraus. 20 Schüler einer Klasse des Hans-Schwier-Berufskollegs - Betonfertigteilbauer und Betonstein- und Terrazzohersteller - beteiligten sich daran. Die ausführliche Vorbereitung eines Gedenkstättenbesuchs ist wichtig. Das hat sich bereits bei einer Bildungsfahrt des Berufskollegs bestätigt, bei der Auszubildende der Bauabteilung im Dezember 2004 das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz besuchten. Der Reise ging damals ein ganztägiges Vorbereitungsseminar voraus.

Im Zentrum des aktuellen Projekts stand der Besuch der Gedenkstätte "Gelsenkirchen im Nationalsozialismus". Viele der 20 Schüler wurden hier zum ersten Mal mit der NS-Gewaltherrschaft in Gelsenkirchen konfrontiert, wo sie wohnen bzw. arbeiten. Ähnlich wie bei der Bildungsfahrt nach Auschwitz waren die Schüler tief betroffen über die Gräueltaten des NS-Regimes. Dies drückt sich deutlich in der Dokumentation aus, die eine Arbeitsgruppe nach dem Gedenkstätten-Besuch erstellt hat.

auto

Gerade die unmittelbare Betroffenheit über die Schrecken der NS-Vergangenheit eröffnet die Chance, Menschen über den Charakter rechtsextremer Bestrebungen zu informieren. "Uns Schülern", heißt es in der Dokumentation, "sind durch den Besuch der NS-Dokumentationsstätte auch die Augen geöffnet worden für die kleinen alltäglichen Ausgrenzungen auch in der Schule." Gemeint ist neue Aufmerksamkeit für Formen rassistischer Ausgrenzung: "In unserer Klasse gibt es nicht mehr den Polen, Russen und Albaner, sondern nur die Mitschüler Waldemar, Sergej und Mehmet", berichtet die Arbeitsgruppe, die die Dokumentation erstellt hat. Unter dem Eindruck des Gedenkstättenbesuchs "äußerten viele Schüler der Klasse der Betonfertigteilbauer ihre Bereitschaft, sich in ihrem Umfeld gegen rechtsradikale und rassistische Äußerungen zu wehren und solche 'Parolen' richtig zu stellen", teilen ihre Lehrer mit.

Um die Dokumentation anzufertigen, mussten sich die Schüler Kompetenzen im Umgang mit Computer und Internet aneignen - etwa zur Verarbeitung der digital aufgenommenen Fotos aus der Gedenkstätte. Der Bericht soll nun im Internet veröffentlicht werden, wo sich ein ähnlicher Bericht über die Bildungsfahrt in das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz schon befindet (http://www.hsbk-ge.de/exkursion/bau_1204/index.htm). Damit können Interessierte den gesamten Verlauf des Projektes nachvollziehen und der Dokumentation Anregungen für die eigene Praxis entnehmen. Damit die Schrecken des NS-Regimes sich nicht wiederholen.

Hier finden Sie den Reader zum   Gedenkstättenbesuch Gelsenkirchen