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SchülerInnen unterrichten SchülerInnen

17.01.2006

Das Projekt "Ich sehe was, was Du nicht siehst" am Berufskolleg für Technik und Information in Neuss

Unterricht zu den Themenkreisen Zivilcourage und Demokratie - das war das Thema eines Projektes am Berufskolleg für Technik und Information in Neuss. Einfacher, gewöhnlicher Schulunterricht? Keineswegs! Mit dem Projekt haben die evangelische Schulpfarrerin Dr. Ilka Werner und die Religionslehrerin Sabine Koch versucht, das übliche Lehrer-Schüler-Verhältnis zu durchbrechen und die Durchführung des Unterrichts Schülerinnen und Schülern zu übertragen. Dokumentiert ist das Ganze auf einer Website, die das erfolgreiche Projekt auch für andere Schulen nachvollziehbar macht und zur Nachahmung anregt.

Den Anlass für die Entstehung des Projekts bot ein schockierendes Ereignis. Im Neusser Berufskolleg für Technik und Information wurde am 27. Januar 2005 eine Infotafel aufgestellt, die an die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz vor 60 Jahren erinnerte. Binnen weniger Stunden wurde die Tafel zerstört. Heftige Debatten folgten, bei denen immer wieder Antisemitismus zum Vorschein kam. Dr. Ilka Werner und Sabine Koch stellten sich die Frage: Wie kann man in einer solchen Situation aufklären, ohne bei den Schülerinnen und Schülern ohne größeres Nachdenken als Mitglied einer "fremden Erwachsenen-Welt" beiseite geschoben zu werden? Können Erwachsene wirklich "Vorbilder" sein?

Die Antwort von Dr. Ilka Werner und Sabine Koch ist bestechend: Sie übertrugen die Durchführung des Unterrichts Schülerinnen und Schülern einer 11. Klasse der Gymnasialen Oberstufe. Diese sollten "SchülerInnen der einjährigen Berufsfachschule in den Themenkreisen Zivilcourage und Demokratie (...) unterrichten in der Hoffnung, dass etwa gleichaltrige Jugendliche eher einen Zugang zu ihrer Sprache und Lebenswelt haben als LehrerInnen", heißt es auf der Website des Projekts.

Die Fähigkeit dazu eigneten sich die rund 20 Schülerinnen und Schüler in einer intensiven Vorbereitungsphase an. Im Mittelpunkt stand ein zweimaliger Besuch in der Alten Synagoge in Essen. Dort werden Workshops zum Demokratietraining angeboten, an denen die Klasse der Gymnasialen Oberstufe teilnahm. "Die Alte Synagoge ist ein faszinierender und historisch bedeutender Lernort", berichten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer begeistert: Man lernt dort, "die eigene Position im Nebeneinander der Kulturen zu erkennen" und "die Grenzen demokratischer Spielregeln zu achten". Das Erlernte gaben sie - aufgeteilt in Kleingruppen - an Schülerinnen und Schüler der einjährigen Berufsfachschule weiter.

BTI Neuss

Mit vollem Erfolg, berichtet Dr. Ilka Werner: "Wir sind ziemlich begeistert vom Verlauf des Projekts." Im nächsten Jahr soll es wiederholt werden. Fand es bislang im Rahmen des Religionsunterrichtes statt, so soll es in Zukunft möglicherweise auf eine breitere Basis gestellt werden. Es ist gelungen, das herkömmliche Lehrer-Schüler-Verhältnis zu durchbrechen und etwas Neues zu schaffen. "Die SchülerInnen haben etwas gewagt, sich überwunden und sich eingesetzt", heißt es auf der Website: "Und die Lerngruppen haben wichtige Vorbilder gesehen: SchülerInnen, die sich für Demokratie, Zivilcourage und kulturelle Verständigung einsetzen."

Die Klasse der Gymnasialen Oberstufe hat ihr Projekt auf einer Website dargestellt, klar gegliedert und in ansprechender Form. Die Seite soll fortlaufend ergänzt werden. Sie dokumentiert die Arbeit in Neuss und macht sie für andere Schulklassen nachvollziehbar. Die Schülerinnen und Schüler sind hoch motiviert: "Ein kleiner Beitrag zur Schulkultur - wir machen weiter!"

Hier finden Sie das Projekt Ich sehe was  zum Download

Sie können die Webseite starten über index.htm im Verzeichnis "Ich sehe was"