SchülerInnen unterrichten SchülerInnen
Unterricht zu den Themenkreisen Zivilcourage und Demokratie - das war das Thema eines Projektes am Berufskolleg für Technik und Information in Neuss. Einfacher, gewöhnlicher Schulunterricht? Keineswegs! Mit dem Projekt haben die evangelische Schulpfarrerin Dr. Ilka Werner und die Religionslehrerin Sabine Koch versucht, das übliche Lehrer-Schüler-Verhältnis zu durchbrechen und die Durchführung des Unterrichts Schülerinnen und Schülern zu übertragen. Dokumentiert ist das Ganze auf einer Website, die das erfolgreiche Projekt auch für andere Schulen nachvollziehbar macht und zur Nachahmung anregt.
Den Anlass für die Entstehung des Projekts bot ein schockierendes Ereignis. Im Neusser Berufskolleg für Technik und Information wurde am 27. Januar 2005 eine Infotafel aufgestellt, die an die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz vor 60 Jahren erinnerte. Binnen weniger Stunden wurde die Tafel zerstört. Heftige Debatten folgten, bei denen immer wieder Antisemitismus zum Vorschein kam. Dr. Ilka Werner und Sabine Koch stellten sich die Frage: Wie kann man in einer solchen Situation aufklären, ohne bei den Schülerinnen und Schülern ohne größeres Nachdenken als Mitglied einer "fremden Erwachsenen-Welt" beiseite geschoben zu werden? Können Erwachsene wirklich "Vorbilder" sein? Die Antwort von Dr. Ilka Werner und Sabine Koch ist bestechend: Sie übertrugen die Durchführung des Unterrichts Schülerinnen und Schülern einer 11. Klasse der Gymnasialen Oberstufe. Diese sollten "SchülerInnen der einjährigen Berufsfachschule in den Themenkreisen Zivilcourage und Demokratie (...) unterrichten in der Hoffnung, dass etwa gleichaltrige Jugendliche eher einen Zugang zu ihrer Sprache und Lebenswelt haben als LehrerInnen", heißt es auf der Website des Projekts.Die Fähigkeit dazu eigneten sich die rund 20 Schülerinnen und Schüler in einer intensiven Vorbereitungsphase an. Im Mittelpunkt stand ein zweimaliger Besuch in der Alten Synagoge in Essen. Dort werden Workshops zum Demokratietraining angeboten, an denen die Klasse der Gymnasialen Oberstufe teilnahm. "Die Alte Synagoge ist ein faszinierender und historisch bedeutender Lernort", berichten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer begeistert: Man lernt dort, "die eigene Position im Nebeneinander der Kulturen zu erkennen" und "die Grenzen demokratischer Spielregeln zu achten". Das Erlernte gaben sie - aufgeteilt in Kleingruppen - an Schülerinnen und Schüler der einjährigen Berufsfachschule weiter. 
Hier finden Sie das Projekt Ich sehe was zum Download
Sie können die Webseite starten über index.htm im Verzeichnis "Ich sehe was"
