Toleranz im öffentlichen Raum
17.01.2006
Die Plakataktion "Keine Stadt für Nazis!" der DGB-Jugend Niederrhein
Keine Stadt für Nazis" steht auf dem Plakat, das den Mittelpunkt eines Projekts der DGB-Jugend Niederrhein bildet. Es ist unter dem Eindruck der konkreten Notwendigkeit entstanden, gegen die stärker werdende Duisburger Neonazi-Szene etwas tun zu müssen, und lädt dazu ein, auch in anderen Städten ein ähnliches Engagement zu versuchen. Das Plakat ist im Internet veröffentlicht worden und kann dort auch heruntergeladen werden.
Anlass für die Entstehung des Plakats war ein Aufmarsch neonazistischer Gruppen in Duisburg im Sommer 2005, der sich gegen den Bau einer Moschee im Norden der Stadt richtete. Die DGB-Jugend beschloss, entlang der vorgesehenen Demonstrationsroute Solidarität mit denjenigen zu zeigen, gegen die sich das aggressive Vorgehen der Neonazis richtete. Zugleich sollten dort "Duftmarken" für eine tolerante und weltoffene Stadt hinterlassen werden. Das Ergebnis der Planungen war ein Plakat. Das großformatige Plakat (DIN A1) zeigt den "Lifesaver-Brunnen" aus der Duisburger Innenstadt, ein bekanntes Wahrzeichen der Stadt, das zu Beginn der 1990er Jahre von der Künstlerin Niki de Saint Phalle geschaffen worden ist. Der Brunnen stellt einen riesigen Vogel dar, der eine Frau vor dem Ertrinken rettet. Er ist ein gern genutzter Treffpunkt junger Leute im Zentrum der Duisburger Fußgängerzone. "Das kulturelle Miteinander, das diese Stadt ausmacht, wird gelebt an diesem Brunnen", meint die DGB-Jugend Niederrhein. Um in Duisburg "das interkulturelle Leben zu retten", hat sie die Vogel-Frau-Statue zum Motiv ihres Plakates gemacht. Kurz vor dem Aufmarsch neonazistischer Gruppen im Sommer 2005 wurde das Plakat entlang der vorgesehenen Demonstrationsroute aufgehängt - in mehreren hundert Exemplaren. Die Aktion fand breite Unterstützung. Sie wurde öffentlich begleitet von allen demokratischen Kräften in der Stadt, die demokratischen politischen Parteien stellten die Aufhängvorrichtungen für die Plakate zur Verfügung. Die aufmarschierenden Neonazis mussten schließlich unter mehreren Hundert Abbildungen des "Lifesaver-Brunnens" entlanglaufen, die mit dem Schriftzug versehen waren: "Keine Stadt für Nazis!" Die Plakate signalisierten darüber hinaus den vom aggressiven Auftreten der Rechtsextremen bedrohten Menschen, dass sie nicht allein gelassen werden. "Die Aktion war sehr gut eingebunden in den gesamten Widerstand gegen die Neonazis", berichtet Ulrich Rieger, Organisationssekretär des DGB Niederrhein, der das Projekt der DGB-Jugend für sehr erfolgreich hält. Es gab eine ganze Reihe von Gegenaktionen gegen den rechtsextremen Aufmarsch. Bei einer zentralen Kundgebung vor dem Duisburger Rathaus wurde die Plakataktion ausdrücklich hervorgehoben. Es soll übrigens nicht das letzte Mal gewesen sein, dass die Plakate zur Verwendung kamen. "Sie sind zu einer Art 'Leitmotiv' geworden, das immer wieder eingesetzt werden kann", meint Ulrich Rieger. Das Plakat ist inzwischen im Internet eingestellt und kann dort heruntergeladen werden. Es ist somit verfügbar für alle Duisburgerinnen und Duisburger, die sich eigenständig gegen den erstarkenden Rechtsextremismus engagieren wollen. Zugleich regt es überregional an, für tolerante und weltoffene Städte einzutreten, und liefert ein Modell für erfolgreiches Vorgehen gegen Rechts. Das Duisburger Projekt zeigt beispielhaft, wie sich die Wirkungsmöglichkeiten einer einfachen Plakataktion durch die Verbindung mit modernen Kommunikationsmitteln deutlich steigern lassen. Zum Download finden Sie hier das Plakat DGB JugendZur Homepage der DGB-Jugend Niederrhein geht es hier
