Kirchen sollen verstärkt gegen Alltagsrassismus kämpfen: Ergebnis der Informationsreise einer intenationalen Expertenkommission
Zu dieser Einschätzung kamen internationale Menschenrechts-Experten, die sich bei einer ökumenischen Besuchsreise über die aktuelle Situation in Deutschland informiert hatten. Solch einen „Blick von außen“ hatte es in dieser Form bisher noch nicht gegeben. Die Expertinnen und Experten aus Uganda, Südafrika, Amerika, Großbritannien und Indien haben ihre Erkenntnisse auf dem Ökumenischen Kirchentag in München vorgestellt. Anfang Juni lag der Abschlussbericht vor.
Die Reise hatten die Evangelischen Kirchen Mitteldeutschland, Hannover, Nordelbien und Mecklenburg sowie der Evangelische Entwicklungsdienst und die Hilfsaktionen Brot für die Welt und MISEREOR gemeinsam organisiert. Die Expertinnen und Experten hatten sich in verschiedenen deutschen Städten über Projekte gegen Rassismus informiert. In Thüringen wurden die Ergebnisse ausgewertet sowie in einem Positionspapier zusammengefasst.
Die Besucher waren einerseits sehr beeindruckt von den vorgestellten Projekten. Andererseits stellten sie aber auch viel Handlungsbedarf fest. So fühlte sich der Besucher aus Uganda bereits bei der Ankunft auf dem Flughafen selbst diskriminiert: Er war wegen seiner Hautfarbe von der Bundespolizei festgehalten worden. Besonders wichtig ist den Experten deshalb der Aufruf an die Kirchen, nicht nur den Rechtsextremismus zu bekämpfen, sondern ebenso den alltäglichen Rassismus in der Mitte der Gesellschaft und damit auch in den eignen Reihen. „Wir fordern, dass die Kirchgemeinden und kirchlichen Strukturen Zeugnis ablegen gegen rassistische Ideologien und Aktionen“, heißt es in dem Positionspapier.
Die Kirchen sollen in der Zivilgesellschaft stärker Stellung beziehen und sich aktiv am Demokratieaufbau beteiligen. So sollen sie die Menschen ermutigen, sich an friedlichen Demonstrationen zu beteiligen, und sich gleichzeitig gegen die Kriminalisierung legitimer Aktion zivilen Ungehorsams wie Blockaden von Innenstädten aussprechen.
Außerdem sollen die Kirchen ihre Mitglieder durch Workshops, Bibelarbeiten und andere Aktivitäten dazu befähigen, unbewusste Vorurteile und Stereotypen im Alltag reflektieren zu können. Christen mit Migrationshintergrund sollen verstärkt in das Gemeindeleben einbezogen werden. Außerdem sollen die Kirchen Kommissionen oder Sonderbeauftragte zur Stärkung der Arbeit gegen Rassismus und Diskriminierung einrichten. Weiterhin werden neue Konzepte für eine Gedenkkultur eingefordert sowie Seminare zu Biografiearbeit und Heilung der Erinnerungen empfohlen.
