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Interview mit Hannelore Kraft

14.03.2011

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin und Bundesratspräsidentin, Hannelore Kraft, übernimmt die Schirmherrschaft über das Jubiläum „25 Jahre Kumpelverein“

aktiv + gleichberechtigt: Frau Kraft, Sie haben die Schirmherrschaft über das Jubiläum zum 25. Jahrestag der Gründung des „Kumpelvereins“ übernommen. Was ist Ihnen daran wichtig?

Hannelore Kraft: Das Projekt „Mach meinen Kumpel nicht an“ kam vor 25 Jahren aus Frankreich nach Deutschland („Ne touche pas a mon pote“) und gehörte zu den ersten Projekten seiner Art, die sich direkt an die Jugendlichen wandten. Mir gefällt daran besonders, dass es im „Kumpelverein“ nicht darum geht, abstrakt über Integration zu reden, sondern die Jugendlichen in direkter Umgebung aktiv zu unterstützen, sich für sie einzusetzen und sie zu beschützen.

aktiv + gleichberechtigt: Die Gelbe Hand war von Anfang an das Symbol des Engagements gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. Welche Bedeutung schreiben Sie nach 25 Jahren dem Tragen des Ansteckers der Gelben Hand zu?

Hannelore Kraft: Die Gelbe Hand ist ein Signal, mit dem man Flagge zeigt. Es symbolisiert aber auch die Zusammengehörigkeit untereinander und sagt: ‚Wir sind in unseren Protesten nicht allein, wir tragen uns gegenseitig’. So ein Symbol wie die Gelbe Hand ist also bestens geeignet, die Jugendlichen in ihrem Engagement zu bestärken.

aktiv + gleichberechtigt: Sie sind als Ministerpräsidentin für den Zusammenhalt der Gesellschaft in NRW mitverantwortlich. Wie wichtig ist es in diesem Zusammenhang gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus vorzugehen?

Hannelore Kraft: Das ist mir sehr wichtig. Fremdenfeindlichkeit und Rassismus dürfen nicht geduldet werden - nirgendwo. Der Staat ist, genauso wie jede Bürgerin und jeder Bürger, dazu aufgerufen einzuschreiten, wenn er Zeuge eines fremdenfeindlichen oder rassistischen Übergriffs wird. Mir kommt da auch der Satz von Willy Brandt in den Sinn: ‚Mehr Demokratie wagen’. Darum geht es mir, ich will gleiche Rechte für alle Menschen und deshalb bin ich auch für das kommunale Ausländerwahlrecht für Bürger mit Migrationshintergrund, die dauerhaft in Deutschland leben.

aktiv + gleichberechtigt: Viele junge Menschen mit Migrationshintergrund übernehmen in NRW und Deutschland Verantwortung für die Gesellschaft und tragen zu ihrem wirtschaftlichen Erfolg bei. Viele junge Menschen mit Migrationshintergrund fühlen sich diskriminiert, ausgegrenzt und verlassen mittlerweile unser Land. Was können wir gemeinsam dagegen tun?

Hannelore Kraft: Wir haben in den vergangenen Jahrzehnten große Fortschritte bei der Integration in Deutschland erreicht. Immer mehr junge Menschen mit Migrationshintergrund machen eine gute Ausbildung, studieren oder sind schon beruflich erfolgreich. Diese Erfolge dürfen wir uns nicht kaputt reden lassen. Doch gleichzeitig können wir auch nicht die Augen davor verschließen, dass wir noch Herausforderungen auf beiden Seiten bewältigen müssen. Meine Devise ist: Mit Realismus und klarem Blick die Dinge anpacken. Dazu gehört, Diskriminierungen im Alltag zu beseitigen. Zum Beispiel darf die Herkunft oder der Name kein Hinderungsgrund bei der Einstellung sein. Wenn wir auch in Zukunft erfolgreich sein wollen, brauchen wir mehr junge Menschen, die besser ausgebildet sind. Daher bedaure ich es, wenn gut ausgebildete Leute unser Land verlassen. Unser Ziel muss dann sein, dass sie den Kontakt nach Deutschland oder Nordrhein-Westfalen nicht abbrechen. Wenn sie ihre guten Beziehungen dann für eigene Projekte, Unternehmen – eben den Fortschritt vor Ort – nutzen, kommt das uns auch wieder zu Gute.

aktiv + gleichberechtigt: Was wünschen Sie dem Verein für seine zukünftige Arbeit?

Hannelore Kraft: Ich wünsche dem Verein und der Gelben Hand weiterhin seine jugendliche Kraft, sein großes Engagement und viele Menschen, die sich für die gemeinsame Arbeit einsetzen. Jeder in Nordrhein-Westfalen, in Deutschland und der ganzen Welt sollte wissen, dass man „seinen Kumpel nicht anmacht“. Dieses Projekt ist ebenso unverzichtbar im Kampf gegen Ausländerfeindlichkeit wie andere Aktionen in Deutschland, wie zum Beispiel „Schule ohne Rassismus“ oder ähnliche Jugendprojekte.