Auf dem Bildschirm gegen Rechts

17.01.2006

Das Projekt "Schont den Schirm" des Bürgerzentrums Köln-Vingst "Et sozi"

Im Rahmen eines Projektes des Bürgerzentrums "Et sozi" in Köln-Vingst haben Jugendliche sechs Bildschirmschoner erstellt, die sich unmissverständlich gegen Rechtsextremismus wenden. Die Bildschirmschoner stehen im Internet zum Download bereit (www.et-sozi.de/jugend/wettbewerb.html) und transportieren zivilgesellschaftliches Engagement in den Alltag am Computer. Sie sind geeignet, auch politikmüde Jugendliche anzusprechen, und erschließen damit neue Kreise für die Abwehr rechtsextremer Tendenzen.

Dem Projekt liegt die Beobachtung zugrunde, dass sich gerade die extreme Rechte das Internet sowie den Software-Bereich (Spiele, Musik etc.) zunutze macht, um ihre menschenverachtende Propaganda zu befördern. Dem will "Et sozi", speziell der Jugendbereich des Bürgerzentrums, etwas entgegensetzen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entwickelten die Idee, einen Wettbewerb für Jugendliche auszuschreiben, um sie zur Herstellung dezidiert gegen Rechtsextremismus gerichteter Softwareprodukte anzuspornen. Das Motto: "Schont den Schirm... Bildschirmschoner gegen Rassismus".

Von Bedeutung war auch der Gedanke, auf diese Weise Computer-Kenntnisse unter den Jugendlichen fördern und ihre Berufsorientierung unterstützen zu können. Dass dies gelungen ist, zeigt die programmiertechnische Qualität der erstellten Bildschirmschoner. Jugendliche haben das Medium Computer hier nicht nur als Anwender genutzt, sondern es aktiv gestaltet. "Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, einen Bildschirmschoner selbst zu erstellen", sagt der 13-jährige Viktor: "Bisher habe ich nur mit Spielen und Textprogrammen am Computer gearbeitet."

Nicht zuletzt ging es den Initiatorinnen und Initiatoren des Wettbewerbs darum - so berichten sie -, "über das Medium Computer einer sogenannten 'politikmüden Jugend' unter Einbindung künstlerischer Medien wie Graphik, Foto, Film, Text und Ton die Möglichkeit" zu geben, sich mit Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit zu befassen. Die Jugendlichen sollten die Auseinandersetzung suchen, Stellung beziehen und das Ergebnis ihrer Arbeit anschließend für jedermann zugänglich im Internet präsentieren.

auto

Auch das ist gelungen. "Für mich war es eine Herausforderung, etwas Neues zu lernen und das mit einem aktuellen und ernsten Thema zu verbinden", sagt der 17-jährige Muhammed. "Das Thema fand ich auch sehr wichtig, da Rassisten sehr gefährlich sind", bestätigt Viktor. Auf seinem Bildschirmschoner schwimmen farbige Fische lustig herum. "Nazis raus", steht klar und unmissverständlich auf ihren Körpern geschrieben.

Die Bildschirmschoner sind bunt und kreativ gestaltet. "Einzeller raus?" fragt sich ein verwirrter Skinhead verzweifelt: "Rausländer rein? Auslender rein? Rheinländer raus?" Er wird es wohl nie begreifen, das vermittelt der Bildschirmschoner: Der Skinhead verschwindet, verschiedene Puzzleteile fügen sich zu dem Schriftzug "Kein Mensch ist illegal" zusammen. Ein zweiter Bildschirmschoner vermittelt: "We are one world". Ein dritter zeigt Parolen, die zu zivilgesellschaftlichem Engagement auffordern.

Die Bildschirmschoner stehen im Internet zum Download bereit: Die nachhaltige Wirkung des Projektes ist damit garantiert. Im Jugendbereich von "Et sozi" freut man sich: "Kommerzielle Bildschirmschoner können so durch Eigenproduktionen mit einer eindeutigen politischen Aussage gegen Fremdenfeindlichkeit ersetzt werden."

Die Bildschirmschoner finden Sie hier