Mitbestimmung stärken, Integration fördern

46. Recklinghäuser Tagung der IG BCE

v.l. Michael Wolters, Leiter der Abt. Politische Schwerpunktgruppen IG BCE, Giovanni Pollice, Vorsitzender der Gelben Hand, Petra Reinbold-Knape, Mitglied des geschäftsführenden IG BCE- Hauptvorstands, Rainer Schmeltzer, Arbeits- und Integrationsminister des Landes NRW

21.12.2016

Unter dem Motto „Mitbestimmung als Wegbereiter zur Integration“ ging es auf der diesjährigen 46. Recklinghäuser Tagung der IG BCE darum, diese beiden wichtigen Aspekte des gewerkschaftlichen und betrieblichen Handelns - Mitbestimmung und Integration – zusammen zu denken. Rund 300 Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter kamen traditionell am ersten Dezembersamstag, dieses Jahr am 3. Dezember, in der Festspielhalle in Recklinghausen zusammen, um zu diskutieren, wie man durch Teilhabe und Mitbestimmung die Integration von Migrantinnen und Migranten insbesondere auch von Geflüchteten, im Betrieb wie in der Gesellschaft fördern könne.

Mitdiskutiert hat auch der Kumpelverein, der mit einem Stand vertreten war. Der Vorsitzende Giovanni Pollice und Referent Mark Haarfeldt waren vor Ort, um mit den IG BCE-Mitgliedern ins Gespräch zu kommen. Rund 1200 Betriebsräte in der IG BCE haben einen Migrationshintergrund, 99 unterschiedliche Nationen sind Teil einer bunten Organisation. Dies bietet viele Chancen. Bei der offiziellen Eröffnung der Tagung betonte Petra Reinbold-Knape, Mitglied im geschäftsführenden Hauptvorstand der IG BCE, daher, wie wichtig gute Betriebsratsarbeit für die jetzigen Integrationsherausforderungen sei: „Solidarität ist die Seele der Mitbestimmung. Das ist seit jeher unsere gewerkschaftliche Maxime. Daher sage ich: Integration ist möglich durch gelebte Mitbestimmung.“ Auch bei der Bewältigung der Flüchtlingsherausforderung im letzten Jahr habe die IG BCE ein solidarisches Bild vermittelt, so Reinbold-Knape, und dankte den vielen Ehrenamtlichen in der Flüchtlingshilfe. Auch strukturell habe man mit der Berufseinsteiger-Initiative „Start in den Beruf“, die auf Geflüchtete ausgeweitet wurde, gemeinsam mit dem Sozialpartner in der Chemie einen wichtigen Beitrag geleistet. Bei allen Herausforderungen, die es bei der Integration von Geflüchteten gebe, machte das Vorstandsmitglied Reinbold-Knape eines deutlich: „Völkische Ideologien, Hetze und Rassismus haben in unserer demokratischen Gesellschaft keinen Platz!“

Auch der Bürgermeister Recklinghausens, Christoph Tesche, betonte in seinem Grußwort, dass die Tagung ein wichtiges Zeichen für Offenheit, Vielfalt und Toleranz sei. Edeltraud Glänzer, stellvertretende Vorsitzende der IG BCE, erinnerte ganz grundsätzlich in diesem wichtigen Jubiläumsjahr 2016 – 40 Jahre 1976er Mitbestimmungsgesetz und 65 Jahre Montanmitbestimmung – an den Wert der Mitbestimmung: „Mitbestimmung heißt Mitgestaltung und Mitverantwortung.“ Sie dankte all denjenigen in den Betrieben, die tagtäglich für Teilhabe und gute Arbeit sorgten:„Ihr macht uns aus, ihr seid unser Gesicht!“ Gute Arbeit bedeute auch partnerschaftliches Verhalten am Arbeitsplatz, weshalb es Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit entschieden zu bekämpfen gelte. „Chancengleichheit und soziale Gerechtigkeit sind Grundwerte unserer Gewerkschaft, sie gelten für alle Menschen“, unterstrich Glänzer und erteilte auch Bestrebungen den Mindestlohn für Flüchtlinge aufzuweichen, eine klare Absage.

Anschließend konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in drei von Experten geleiteten Foren selbst aktiv einbringen. Die Themen reichten vom Kommunalen Wahlrecht für Migrantinnen und Migranten als gesellschaftliche Teilhabemöglichkeit, über die Unternehmensmitbestimmung bis zur Mitbestimmungssituation in Europa. Der nordrhein-westfälische Minister für Arbeit, Integration und Soziales, Rainer Schmeltzer, hob im Anschluss noch einmal die Verbindung von Mitbestimmung und Integration positiv hervor: „Im Betrieb ist die Teilhabe für Migranten möglich. Denn das Betriebsverfassungsgesetz kennt keine Unterscheidung zwischen Deutschen und Ausländern. Da hinkt die Politik noch hinterher.“ Die Mitbestimmung sei in der Tat ein Wegbereiter für Integration, denn: „Wer mitbestimmt, gehört dazu.“

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