Meine Eltern kamen in den 1970er-Jahren als Gastarbeiter nach Deutschland – nicht, weil ihnen eine Zukunft versprochen wurde, sondern weil Arbeitskräfte gebraucht wurden. Sie sollten arbeiten, funktionieren, irgendwann gehen. Doch sie blieben.
Sie lernten sich hier kennen, gründeten eine Familie und zogen zwei Kinder groß – Kinder, die heute fester Bestandteil dieser Gesellschaft sind. Möglich wurde das durch harte Arbeit, lange Schichten und den Verzicht auf Anerkennung. Integration wurde erwartet, Zugehörigkeit selten angeboten. Die erste Generation der Gastarbeiter*innen hat dieses Land mit aufgebaut – in Fabriken, auf Baustellen, im Alltag. Sie zahlten Steuern, stärkten die Wirtschaft und trugen Verantwortung, ohne je wirklich dazuzugehören.
Ich bin eines dieser Kinder. Meine Geschichte ist Teil dieser Geschichte. Sie zeigt, dass Migration nicht nur Zahlen und Debatten bedeutet, sondern Leben, Hoffnungen und Opfer. Heute wird viel über Migration gesprochen, aber kaum über diese Menschen. Über ihre Lebensleistung, die selbstverständlich genommen wurde. Deutschland ist nicht trotz, sondern auch wegen ihnen das Land, das es heute ist. Dankbarkeit heißt, diese Geschichte anzuerkennen – und sichtbar zu machen, was unsichtbar blieb.
