Starke Zeichen: gegen Rassismus, für Vielfalt

Preise im Wettbewerb „Die Gelbe Hand“ 2025/26 verliehen

„Die Gelbe Hand steht für Haltung, für Mut, für klare Kante. Mit diesem Wettbewerb ehren wir junge Menschen in der beruflichen Bildung, die nicht wegsehen, die widersprechen, die handeln. Auch in diesem Jahr sind die Beiträge beeindruckend, vielfältig, klug und berührend“, unterstrich Dietmar Schäfers, Vorsitzender des Kumpelvereins. 

Daniel Günther, Ministerpräsident von Schleswig-Holstein und Schirmherr des Wettbewerbs, appellierte: „Lassen Sie uns gemeinsam gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus aufstehen und füreinander einstehen. Wenn jemand andere Menschen abwertet und ihnen ihre Würde abspricht, müssen wir dagegensprechen.“ Er dankte den Teilnehmenden des Wettbewerbs: „Sie machen sichtbar, in welchen Formen Ausgrenzung und Rassismus auftreten und zeigen, wie wir dem entschlossen entgegentreten können. Vielen Dank für die beeindruckenden Projekte!“ 

Kerstin Quellmann, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Schleswig-Holstein, vertrat die Schirmfrau und GEW-Vorsitzende Maike Finnern. Sie hob hervor: „Gerade in der Ausbildung und der Arbeitswelt entscheidet sich jeden Tag neu, wie wir miteinander umgehen. Wenn junge Menschen dort ihre Stimme erheben und sich für Respekt, Vielfalt und Solidarität engagieren, stärken sie nicht nur das Miteinander im Betrieb oder in der Schule – sondern unsere Demokratie insgesamt.“

Die Veranstaltung schloss Laura Pooth, Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes Nord. In ihrem Schlusswort betonte sie: „Für uns als Gewerkschaften ist klar: Wir lassen uns nicht spalten. Wir stehen zusammen – für Demokratie, Solidarität und eine offene Gesellschaft. Das liegt in unserer DNA. Hass und Hetze haben keinen Platz. Die heute ausgezeichneten Beiträge zeigen eindrucksvoll, wie stark eine mutige Zivilgesellschaft sein kann.“

1. Preis: „Mein Name ist Vielfalt“, Gaye Yalcinkaya, Jugend- und Auszubildendenvertreterin und Vertrauensfrau bei der Salzgitter Flachstahl GmbH
Das preisgekrönte Video zeigt Gaye, von hinten gefilmt, wie sie abends durch eine weihnachtlich geschmückte Fußgängerzone läuft. Dazu hat sie ihre Rede eingesprochen, die sie bei einer Veranstaltung im Rahmen des Internationalen Tags gegen Rassismus gehalten hat. Sie thematisiert darin in Gedichtform ihre Erfahrungen mit Alltagsrassismus seit frühester Kindheit. „Ich hoffe, durch die Emotionalität die Menschen zu berühren und ihnen das Erlebte greifbar zu machen. Als Mutter ist das permanente Gefühl von Ohnmacht und Machtlosigkeit umso schlimmer. Man macht sich Sorgen um das Wohl des eigenen Kindes sowie um das Wohl aller von Hass und Hetze betroffenen Menschen. Ich wünsche mir eine bessere Welt für uns alle und werde mich stets dafür einsetzen“, betont die Gewerkschafterin (IG Metall Jugend Salzgitter-Peine).

2. Preis „Hände pflegen – retten Leben – bauen Brücken“, Schüler*innen der Gesundheitsakademie NEW LIFE in Neustadt an der Waldnaab
Der Kurzfilm zeichnet die fiktive Lebensgeschichte von Dimitra nach, die als Kind aus Griechenland nach Deutschland kommt und später eine Ausbildung im Gesundheitswesen macht. Er thematisiert Fremdsein, Ausgrenzung und Verletzlichkeit, aber auch Integration und Zusammengehörigkeit. Für das Drehbuch brachten die Auszubildenden ihre persönlichen Erfahrungen ein. „Wir wollten bildhaft erfahrbar machen, wie es sich anfühlt, in einer neuen Heimat anzukommen und sich dort orientieren und behaupten zu müssen. Die filmische Erzählung soll emotionale Nähe schaffen und zum Perspektivwechsel anregen. Der Film soll auch zeigen, wie wichtig Empathie, Offenheit und Zusammenhalt für ein gelingendes Miteinander sind“, unterstreichen die Preisträger*innen, die in sechs verschiedenen Klassen in Ausbildungen an den Kliniken Nordoberfalz AG sind.

3. Preis „Hand in Hand – Ein Lied für Vielfalt, Respekt und Zusammenhalt“, Schüler*innen der Berufsfachschule Sozialpädagogische Assistenz, Bersenbrück
In ihrem Lied „Hand in Hand – Ein Lied für Vielfalt, Respekt und Zusammenhalt“ setzen sich die Berufsfachschüler*innen mit Rassismus, Ausgrenzung und Extremismus auseinander und stellen dem bewusst die Werte Zusammenhalt, Vielfalt, Respekt und Inklusion gegenüber. Das Lied wurde gemeinsam mit Kindern aus einer integrativen Kita gesungen. Dabei war es den Schüler*innen wichtig, alle Kinder einzubeziehen, unabhängig von deren individuellen Voraussetzungen. „Der Refrain ‚Hand in Hand, wir steh’n bereit, für Liebe, Mut und Freundlichkeit‘ besagt, dass eine offene und demokratische Gesellschaft auf gemeinsames Handeln angewiesen ist. Wir wollen mit dem Lied ein positives Zeichen setzen und Kindern die Werte eines respektvollen und solidarischen Miteinanders vermitteln“, erklären die Preisträger*innen.

Sonderpreis Schleswig-Holstein: „Wie kleine Worte verletzen können“, Berufsschüler*innen am Berufsbildungszentrum Norderstedt
In ihrem Video zeigen die Schüler*innen in exemplarischen Szenen, dass Rassismus nicht immer offensichtlich ist. Er besteht oft in Anmerkungen, die vielleicht gar nicht böse gemeint sind, aber die Betroffenen dennoch verletzen. „Mit dem Video wollen wir zeigen, wie wichtig Respekt, Zuhören und Zivilcourage sind. Auch wenn Alltagsrassismus oft unauffällig ist, hat er große Auswirkungen. Unser Ziel ist es, Menschen zum Nachdenken zu bringen und sie zu ermutigen, NEIN zu Rassismus zu sagen. Rassismus gehört nicht in diese Welt – aber Respekt, Verständnis und Menschlichkeit. Alltagsrassismus beginnt mit Worten. Und Respekt auch“, heben die Preisträger*innen hervor.

Sonderpreis DGB Jugend Schleswig-Holstein: „Stolperstein für Bruno Paul“, Auszubildende zur*m Verwaltungsfachangestellte*n am Berufsbildungszentrum Bad Oldesloe
Initiiert durch ein gemeinsames Projekt mit polnischen Schüler*innen haben die Berufsschüler*innen die Verlegung eines „Stolpersteins“ für Bruno Paul organisiert. Der Bad Oldesloer Jude wurde 1938 in „Schutzhaft“ genommen und ins Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht. Er starb am 20. März 1939 an den Folgen des KZ-Aufenthalts. „Mit der Verlegung des Stolpersteins für Bruno Paul wollen wir sein Leben würdigen, sein Schicksal sichtbar machen und die Erinnerung an ihn und die anderen unzähligen Opfer des NS-Regimes lebendig halten. Damit setzen wir ein Zeichen gegen das Vergessen und für Demokratie, Vielfalt und Menschlichkeit“, betonen die Preisträger*innen.

Sonderpreis DGB Jugend NRW: „Hoffnung braucht Verantwortung“, Berufsschüler*innen des Hans-Schwier-Berufskollegs Gelsenkirchen und des Pictorius Berufskollegs Coesfeld in Kooperation mit der IG BAU Westfalen 
Eine bildungsgang- und schulübergreifende Gruppe der beiden Berufskollegs hat im Oktober 2025 an einer Gedenkstättenfahrt der IG BAU Westfalen nach Auschwitz und Krakau teilgenommen. Ihre Eindrücke beim Besuch des KZ Auschwitz-Birkenau haben die Berufsschüler*innen in einem Video zusammengefasst. „Vor Ort wurde uns klar, dass die Geschichte des NS nicht nur aus Zahlen und Daten besteht, sondern aus Menschen und ihren Schicksalen. Wir haben gelernt, welche Verantwortung wir selbst für Menschenrechte und Demokratie tragen. Die Erfahrungen dieser Reise werden unser Denken und Handeln nachhaltig prägen“, stellen die Preisträger*innen heraus.
 

Alle prämierten Beiträge mit den Begründungen der Jury: www.gelbehand.de/wettbewerb/wettbewerb-2025/2026-1
 

Viele Menschen posieren für das Gruppenbild

Am 12. März sind die Preisträger*innen unseres Wettbewerbs in der Kieler Eventlocation „Halle 400“ geehrt worden.