„Frauen und Rechtsextremismus – ein Widerspruch?“

Jahrestagung der Gelben Hand am 8./9. Juni in der Bildungsstätte der IG BAU in Steinbach

Soziologe Andreas Kemper beim Vortrag

26.06.2018

Ob Silvester in Köln oder der Mord an Mia in Kandel – die weiblichen Opfer der schrecklichen Gewalttaten werden zunehmend von rechten Gruppierungen für rassistische Zwecke instrumentalisiert.Gleichzeitig werden das Modell der selbstbestimmten Frau und die Errungenschaften der Emanzipation von rechts angezweifelt.Mit diesem Spannungsfeld beschäftigte sich dieses Jahr die Tagung der Gelben Hand unter dem Titel „Frauen und Rechtsextremismus – ein Widerspruch? Feminismus und Antirassismus zusammen gedacht.“

Rund 70 aktive Fördermitglieder,Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter aus dem ganzen Bundesgebiet kamen am 8.und 9. Juni in der IG BAU-Bildungsstätte in Steinbach zusammen, um sich über die antifeministischen Entwicklungen zu informieren und selbst Strategien und Lösungsansätze zu erarbeiten. „Wir müssen die Widersprüche zwischen einem demokratischen und einem rechten Gesellschaftsmodell deutlich aufzeigen. Dafür Multiplikatorinnen und Multiplikatoren zu bilden und zu schulen, ist das Ziel dieser Tagung“, erklärte der Vorsitzende der Gelben Hand, Giovanni Pollice, bei der Eröffnung.

Im Anschluss erörtere der Soziologe und Publizist Andreas Kemper anschaulich die antifeministische Argumentation der AfD, in deren Mittelpunkt die Idee der „Familie als Keimzelle der Nation“ steht. In der AfD vereinen sich laut Kemper drei ideologische Strömungen: der Neoliberalismus,der völkische Nationalismus und der christliche Fundamentalismus. „Die AfD ist die Erscheinungsform der Ungleichwertigkeit und die Partei des Antifeminismus“, konstatierte Kemper. Wer sich hinter dem christlich fundamentalistischen Flügel der AfD verbirgt, und welche Gruppen, Netzwerke und Initiativen den antifeministischen und rassistischen Diskurs in Deutschland vorantreiben, erklärte anschließend in ihrem Vortrag die Fachreferentin Tanja Gäbelein. Von der christlich-fundamentalen „Zivilen Koalition“ der AfD-Abgeordneten Beatrix von Storch, die als Abtreibungsgegner den „Marsch für das Leben“initiieren, über die Initiative Familienschutz, die sich gegen eine auf geklärte Sexualpädagogik und „Gender-Mainstreaming“ wendet, bis zur Kampagne 120 Dezibel, in der junge rechte Aktivistinnen den Schutz der „weißen“ Frau fordern, zeigt Gäbelein, wie Antifeminismus und Rassismus bei rechten Gruppen zusammenhängen. „Den Rechten geht es nicht um Frauenrechte, das Thema der Frauenmärsche ist die Asyl-Politik“, betont Gäbelein. Es gäbe in Deutschland jährlich 150 Frauenmorde, die zumeist von Deutschen begangen würden, darüber werde aber nie geredet. Daher sei es wichtig, den Diskurs umzulenken und das Patriarchat als Grundproblem zu benennen.

Die gewerkschaftliche Perspektive und die Bedeutung des Themas für die Arbeitswelt brachten Pia Bräuning, Referentin der IG Metall und Manuela Hauer, Bundesjugendsekretärin der IG BCE, ein. Bräuning unterstrich noch einmal, dass sexuelle Gewalt gegen Frauen ein wichtiges Thema sei, aber nicht nationalistisch aufgeladen werden dürfe. Man müsse diese Themen in der Bildungsarbeit platzieren und über eine aktive Gleichstellungspolitik in die gewerkschaftlichen Strukturen tragen. Für Manuela Hauer sind die Gewerkschaften hierfür auch ein zentraler Akteurin der Gesellschaft: „Gewerkschaften bilden die Mitte ab. Wir stehen für Gleichberechtigung zwischen Geschlechtern, zwischen Kulturen –zwischen Menschen.“

Zum Abschluss des ersten Tages wurde der Film „Heil dir Kameradin“ über die aktive Rolle von Frauen in der rechtsextremen Szene gezeigt und anschließend unter der Moderation von Björn Allemendiger, Leiter der „Arbeitsstelle Rechtsextremismus und Gewalt“, mit den Teilnehmenden diskutiert.

In den vorstrukturierten Barcamps am zweiten Tagungstag wurde dies fortgesetzt: Die Teilnehmenden konnten ihre Erfahrungen und Ideen zu drei Themen – Frauenrechte statt rechte Frauen, Bildungskonzepte für die Jugendarbeit und Hass in sozialen Medien –austauschen. In einer zweiten Runde wählten Teilnehmende selbst ein Thema aus, zu dem diskutiert werden konnte – zum einen ging es dann um die Frage, warum auch Migranten AfD wählen, sowie um Frauen im historischen Nationalsozialismus.

Das Schlusswort der Tagung hielt Birgit Koch, die Vorsitzende der GEW Hessen. Sie forderte, dass Demokratiebildung an Schulen einen höheren Stellenwert bekommen müsse und warnte davor,dass Rechte, die Errungenschaften der Frauenbewegung zurückdrehen wollten. „Allein Prävention reicht nicht aus. Bei einem gefestigten rechten Weltbild braucht es politische Gegenwehr. Die GEW steht an der Seite der Minderheiten, die ausgegrenzt werden.“ Das war auch die Botschaft , die von der Tagung ausging: der Einsatz für Frauenrechte und der Kampf gegen Rassismus müssen zusammen gedacht werden, um der Instrumentalisierung des Themas durch Rechtextreme und Rechtspopulisten etwas entgegenzusetzen.

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