Gesicht zeigen – Stimme erheben!

25 Jahre Internationale Wochen gegen Rassismus vom 16. bis 29. März

26.03.2020

Die Internationalen Wochen gegen Rassismus vom 16. bis zum 29. März 2020 standen unter dem Motto „Gesicht zeigen – Stimme erheben“, sie standen aber auch leider im Zeichen der Corona-Pandemie. Geplant waren in diesem Jahr über 3.500 bundesweite Veranstaltungen, darunter 1.700 Freitagsgebete in Moscheen.

Über 200.000 Menschen nahmen im letzten Jahr an den Aktivitäten teil. Viele der Veranstaltungen konnten aber in diesem Jahr aus Gründen der gesundheitlichen Vorsorge im Zusammenhang mit der Ausbreitung des Corona-Virus nicht stattfinden. Auch die vorgesehene Auftaktveranstaltung im Bundeskanzleramt musste ebenso wie zentrale Veranstaltungen der Gewerkschaften, z. B. der IG BCE in Ludwigshafen und der IG Metall in Frankfurt a.M., abgesagt werden. „Gesicht zeigen – Stimme erheben“– das ging in digitalen Zeiten aber auch online. Für Beiträge in den Sozialen Medien wurden die Hashtags #GesichtzeigenStimmeerheben; #InternationaleWochengegenRassismus; #IWgR und #Wirsindallemittendrin auch von vielen Ge werkschafter*innen verwendet, um ein Zeichen zu setzen.

Die Internationalen Wochen werden jährlich rund um den 21. März organisiert, dem „Internationalen Tag zur Überwindung von Rassendiskriminierung", der von den Vereinten Nationen zur Erinnerung an das Massaker von Sharpeville in Südafrika 1960 ausgerufen wurde. In Deutschland finden die Aktionen gegen Rassismus im Rahmen der UN-Wochen seit 25 Jahren statt. Hoyerswerda, Rostock-Lichtenhagen, Mölln, Solingen – nach den rassistischen Anschlägen und Gewalttaten Anfang der 1990er Jahre wurde 1994 der Interkulturelle Rat ins Leben gerufen, ein Gremium von Migrationsexpert*innen mit dem Ziel, einen Beitrag im Kampf gegen Rassismus zu liefern. Gründungsmitglied war damals auch unser Vorsitzender Giovanni Pollice, zu der Zeit beim DGB Bundesvorstand zuständig für Migrationspolitik.

Im Jahr darauf, 1995, begannen die ersten Aktivitäten im Zuge der UN-Wochengegen Rassismus. Seit 2014 werden die Aktionen von der gleichnamigen Stiftung gegen Rassismus koordiniert. Stiftungsvorstand Jürgen Micksch erinnerte sich anlässlich des Jubiläums an die schwierigen Anfangszeiten:„Damals wurde abgestritten, dass es nach dem Nationalsozialismus in Deutschland wieder Rassismus gebe.“ Nach den Morden des NSU, nach Halle und Hanau würde das heute nicht mehr bestritten.

In den vergangenen Jahren gab es immer mehr Aktivitäten gegen Rassismus, weltweit gibt es in Deutschland mittlerweile die meisten Veranstaltungen. Die Stimme zu erheben, ist in diesen Zeiten wichtiger denn je, befand der offizielle Botschafter der diesjährigen UN-Wochen, der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann: „Eine Gesellschaft, deren Sprache durch Hass geprägt wird, die keine Tabus mehr kennt und in der völkischnationalistisches Gedankengut und die Hetze gegen ‚ die Fremden‘ um sich greifen, bereitet Fanatismus und Gewalt den Boden. Das ist eine der zentralen Lehren, die wir aus der Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten ziehen müssen. Deswegen stellen wir uns mit aller Entschlossenheit gegen jede Art von Faschismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit. Wir alle sollten uns einsetzen für ein solidarisches Miteinander, das keine Ausgrenzung aufgrund von Herkunft, Religion, Hautfarbe oder sexueller Orientierung kennt. Zusammen können wir der demokratischen Mitte unserer Gesellschaft eine starke Stimme verleihen.“

Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) appellierte anlässlich der Internationalen Wochen gegen Rassismus an die demokratischen Parteien und im Bildungsbereich Beschäftigten, rassistische Gewalt und Hetze auf allen Ebenen entschieden zu bekämpfen. „Wir müssen uns für die Menschenrechte und eine humane Asyl und Flüchtlingspolitik stark machen sowie konsequent Haltung zeigen. Unsere Geschichte lehrt uns: Menschenrechte sind unteilbar und müssen insbesondere in Zeiten, in denen rechtspopulistische und extremistische Kräfte erstarken, geschützt und verteidigt werden. Die jüngsten rechtsterroristischen Anschläge in Deutschland führen uns dies in aller Brutalität vor Augen. Der zunehmende Alltagsrassismus ist beängstigend und macht vor Bildungseinrichtungen nicht Halt. Dem dürfen wir nicht tatenlos zusehen“, erklärte GEW-Vorsitzende Marlis Tepe.

Mehr Infos zur Geschichte der Internationalen Wochen gegen Rassismus sowie zu aktuellen Kampagnen und Materialien findet ihr unter: www.stiftung-gegen-rassismus.de/

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