Respekt statt Ressentiments

DGB-Kongress gegen Rassismus im Aachener Tivoli

Foto: Martin Lässig

18.05.2015

„Man kann die Gegenwart nicht verstehen, wenn man die Geschichte nicht kennt.“ Mit diesen wahren und gewichtigen Worten leitete Andreas Meyer-Lauber, Vorsitzender des DGB NRW, die Konferenz ein und erinnerte damit im Jahr 2015 an die Befreiung Aachens und ganz Deutschlands vom Nationalsozialismus vor 70 Jahren. „Respekt statt Ressentiments – Menschenfeindlichen Ideologien entgegentreten“ lautete der Titel des nun schon zum vierten Mal organisierten Kongresses von DGB NRW und DGB Bildungswerk NRW.

Andreas Meyer-Lauber konnte am 25. April in den Konferenzräumlichkeiten des Stadions von Alemannia Aachen rund 200 interessierte Kolleginnen und Kollegen begrüßen. Ausgehend vom historischen Kontext ging der Vorsitzende auf aktuelle Tendenzen ein – die Denkfiguren Pegidas seien schrill und krankhaft, die AfD propagiere lediglich Abschottung. Dabei gelte es vielmehr Solidarität mit den Schwächsten, den Flüchtlingen, zu zeigen: „Die Würde des Menschen ist unantastbar: Wer in Seenot gerät, muss gerettet werden, und wer flüchtet, hat ein Recht darauf, wie ein Mensch behandelt zu werden!“ Stolz war Meyer-Lauber auf das Engagement der Jugend. Die DGB-Jugend NRW hatte am Vorabend der Veranstaltung vor dem Aachener Rathaus ein Banner mit Aufschrift: „Refugees welcome!“ ausgerollt. Eine tolle Aktion, um die Öffentlichkeit für dieses Thema zu sensibilisieren, was auf dem gut besuchten Rathausplatz auch gelang.

Im Anschluss folgte ein lebhafter Vortrag von Prof. Dr. Beate Küpper (Hochschule Niederrhein). Sie legte anschaulich dar, wie Vorurteile historisch gewachsen sind, und wie weit sie heute noch in der Bevölkerung verbreitet sind. Im Kern stehe immer eine Ideologie der Ungleichwertigkeit. Dass rechtspopulistische Diskurse wieder „sagbar“ seien, sei eine Gefahr, denn „die Erosion von sozialen Normen ist das erste Einfallstor für Rassismus“, erklärte die Wissenschaftlerin, die u. a. an der Studie „Fragile Mitte“ der Friedrich-Ebert-Stiftung mitgewirkt hatte (siehe Aktiv Dezember 2014 / Januar 2015).

Nach diesem wissenschaftlichen Input, der vor allem gängige Ressentiments in der Breite der Gesellschaft beleuchtete, ging es in den drei Workshops um die extremen Formen der Menschenfeindlichkeit. Während im ersten Forum die Methoden der Neonazis auf der Straße wie im Stadion thematisiert wurden, konnten sich die Teilnehmer im zweiten Workshop zum Rechtspopulismus von AfD und Pegida informieren. Im dritten Seminar referierte die renommierte Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor zum radikalen Salafismus. Man ging der Frage nach, warum junge Menschen in den Dschihad ziehen. Faktoren wie Orientierungslosigkeit, die Suche nach Gemeinschaftsgefühl und Anerkennung, sowie Ausgrenzung stellten dabei wiederkehrende Muster dar, erklärte die Islam-Expertin Kaddor. Insgesamt machte der Kongress einmal mehr deutlich, dass es zwar Gegner der Demokratie gibt, aber eben auch eine starke, solidarische, weltoffene Gewerkschaftsbewegung.

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