Verschwörungsmythen und Antisemitismus in Corona-Zeiten

Die Gelbe-Hand informiert über die Gefahr durch Verschwörungsmythen

20.07.2020

Ein neues, globales Virus und noch viele ungeklärte Fragen. Dies scheint der perfekte Nährboden für Verschwörungsmythen zu sein – denn diese haben seit Anfang der Corona-Krise Hochkonjunktur. Auch unter Arbeitnehmer*innen kursieren Halbwahrheiten und teils krude Gerüchte – verbreitet über Whatsapp-Gruppen, in sozialen Medien, über die Plattform Youtube. Sie zu erkennen und zu entlarven, schützt unsere Demokratie.

Ein Jahrhunderte altes Phänomen beruht darin, in großen Krisen einen Verantwortlichen zu suchen – oft wurde und wird dabei die Glaubensgemeinschaft der Juden zum Sündenbock stilisiert. Im Kern geht es bei den tradierten Mythen stets um eine „jüdische Weltverschwörung“, die einem großen Masterplan folgt, um die Menschheit – alle Nicht-Jüd*innen – zu versklaven oder zu vernichten. Alles läuft dabei auf einen apokalyptischen Kampf der „Guten“ gegen die böse Verschwörung hinaus. Damit liefern Antise­mit*innen und die Anhänger dieser Verschwörungsideologien eine vermeintliche „Erklärung“ für widersprüchliche politische, wirtschaftliche und geschichtliche Ereignisse.

Historisch reichen solche Vorwürfe von „Christusmord“ und „jüdischen Brunnenvergiftungen“ im Mittelalter über vorgebliche Umsturzpläne in der Neuzeit (wie z.B. im erfundenen, gefälschten Pamphlet der „Protokolle der Weisen von Zion“ geschildert) bis hin zur heimlichen Kontrolle der Finanzwelt in der Moderne. Bestimmte Eigenschaften einer „korrupten, hinterlistigen, manipulativen Elite“ aus Politik, Wirtschaft und Medien beruhen auf den alten Stereotypen gegenüber Juden. Man kann sagen, eine Verschwörungsideologie ist daher, zumindest strukturell, immer antisemitisch. Heutzutage tritt der Anti­semitismus aufgrund der weitgehenden gesellschaftlichen Ächtung nicht offen, sondern subtil in Codes zu Tage. Bekannte Chiffren sind die Familie Rothschild oder der amerikanisch-ungarische Finanzmanager George Soros. Auch aktuell wird der Zusammenhang ­zwischen der Corona-Pandemie und einer NWO (Neuen Weltordnung) suggeriert, für deren Entstehung jüdische „Eliten“ verantwortlich gemacht werden. Solche Verschwörungsmythen, die eine Gruppe stigmatisieren und zum Kampf „Gut“ gegen „Böse“ aufrufen, sind im Kern demokratiefeindlich – und gefährlich. Der Holocaust ist das schlimmste Beispiel dafür, worin der anti­semitische Wahn einer „jüdischen Weltverschwörung“ enden kann. Und auch im Jahr 2019 radikalisierte sich der Attentäter von Halle, der eine Synagoge stürmen wollte, wohl im Internet mittels antisemi­tischer Verschwörungsmythen.

Weiterführende Infos zu Verschwörungsmythen und Anti­semitismus findet ihr u.?a. auf der Seite der Amadeu-Antonio-Stiftung: https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/.

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