Vielfalt und Mitbestimmung in der digitalen Arbeitswelt

49. Recklinghäuser Tagung der IG BCE

v.l. Dr. Klaudia Tietze, Geschäftsführerin der Gelben Hand, Petra Reinbold-Knape, Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstands der IG BCE, Giovanni Pollice, Vorsitzender der Gelben Hand, Francesco Grioli, Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstands der IG BCE

19.12.2019

Traditionell am ersten Samstag im Dezember lädt die IG BCE zur größten migrationspolitischen Tagung innerhalb des DGB: zur Recklinghäuser Tagung. Diese fand in diesem Jahr zum 49. Mal statt und warf somit ihr Licht schon auf die runde „50“ im nächsten Jahr. Ebenso zur Tradition gehört es, dass die Gelbe Hand mit dabei ist. Unser Vorsitzender Giovanni Pollice sowie unsere Geschäftsführerin Dr. Klaudia Tietze waren eingeladen, ebenso war Redakteur Marco Jelic auf der Tagung. Am Info-Stand konnten Kolleg*innen über aktuelle Fragen in den Austausch mit der Gelben Hand kommen. Es waren rund 250 interessierte IG BCE-Kolleg*innen, die am 7. Dezember in das moderne Festspielhaus der Stadt Recklinghausen kamen, um Themen rund um betriebliche und gesellschaftliche Vielfalt zu diskutieren. Im Fokus stand in diesem Jahr die Frage, wie man in Zukunft Vielfalt, Mitbestimmung und die Digitalisierung erfolgreich gestalten könne. „Unser Kurs Richtung Zukunft – Diversity-Management als Garant für eine starke betriebliche Mitbestimmung“ lautete das Motto.

In der Tradition verankert, die Zukunft im Blick, so verortete auch Petra Reinbold-Knape, Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstandes, in ihrer Eröffnungsrede die IG BCE. Migration sei seit je her wichtiger Bestandteil der Gewerkschaft, die mit 99 Nationen innerhalb ihrer Mitgliedschaft Vielfalt tagtäglich lebe. In Bezug auf den erstarkenden Rechtspopulismus gelte es daher „Haltung und Rückgrat“ zu zeigen, appellierte Reinbold-Knape. Angesichts des Terrorakts von Halle machte sie deutlich, dass Antisemitismus nie wieder sein dürfe und man als Gewerkschafter*innen dagegen aufstehen müsse: „Schweigen darf nie unsere Antwort sein. Das werden wir nicht tun!“ Aber auch im Alltag, in sozialen Medien gelte es „Hatespeech“ (Hassrede) und Diskriminierung entgegenzutreten. Petra Reinbold-Knape hob diesbezüglich auch die gute Zusammenarbeit mit der Gelben Hand hervor. Auf betrieblicher Ebene forderte Reinbold-Knape, dass „Diversity“, also das Fördern von Vielfalt und der Abbau von diskriminierenden Strukturen, fester Bestandteil in den Betrieben werden müsse, denn auch die Arbeitgeber profitierten von Interkulturalität: „Rechtspopulismus wird auch im Betrieb nicht geduldet. Wir setzen uns dafür ein, dass jede Form der Diskriminierung verhindert wird. Wir stehen für Freiheit, Solidarität und Gerechtigkeit!“

So wie Vielfalt im Betrieb seit langem eine Realität darstellt, so tut sie es auch in bunten Städten wie Recklinghausen. Darauf sei er stolz, betonte der erste Bürger der Stadt, Bürgermeister Christoph Tesche in seinem Grußwort. In diesem „Demokratie-Jahr“ – 100 Jahre Weimar, 70 Jahre Grundgesetz – unterstrich er die Rolle der Gewerkschaften: „Unsere Demokratie wäre heute nicht dieselbe ohne Gewerkschaften!“

Um Demokratisierung und Mitbestimmung in den Betrieben ging es dann unter anderem im detailreichen Fachvortrag von Francesco Grioli, Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstandes der IG BCE, der zur Mitbestimmung in der digitalen Zukunft referierte und dabei aufzeigte, wie die IG BCE den Wandel der Arbeit, die digitale Transformation, im Sinne der Arbeitnehmer*innen mitgestalten müsse. In der anschließenden Podiumsdiskussion diskutierten neben den zwei Vorstandsmitgliedern Petra Reinbold-Knape und Francesco Grioli, auch zwei Mitglieder des interkulturellen Bundesarbeitskreises der IG BCE, Senol Ünlü und Ziya Yüksel, die Frage, wie interkulturelle Arbeit in Zukunft aussehen könnte. BASF-Mitarbeiter Yüksel betonte, dass Vielfalt längst eine Realität sei, dass Menschen mit Migrationshintergrund mittlerweile aktiv mitgestalten und Verantwortung, als Betriebsräte oder Vertrauensleute, übernehmen würden. Dennoch nehme Rassismus wieder zu, daher müsse man „den Rechten die Stirn bieten“. Von der IG BCE ging wieder ein kraftvolles Signal aus, innerhalb der Betriebe und in der Gesellschaft Vielfalt wertzuschätzen und Rassismus entgegenzutreten. Glück auf!

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