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„Ein Gegengewicht schaffen“ – Ein Projekt der Schülerinnen und Schüler des Berufskollegs für Technik in Moers

Das Foto in der Mitte der schwarz grundierten Website spricht eine deutliche Sprache. Ein großer Jugendlicher packt einen kleineren, körperlich Unterlegenen am Hals, wirft ihn zu Boden. Ein Fall von Gewalt, wie er in Deutschland alltäglich vorkommt. Gewalt ist denn auch das Thema der klar gegliederten Website, die im Rahmen eines mehrwöchigen Unterrichtsprojektes am Berufskolleg für Technik in Moers entstanden ist. Sie informiert über verschiedene Arten von Gewalt, insbesondere auch fremdenfeindliche und rassistische, und sie bietet Anregungen für Gewaltvermeidung und gewaltfreie Formen der Konfliktaustragung.

In recht großem Maßstab hat die Lehrerin Monika Kappeler das Schülerprojekt gegen Gewalt und Rassismus am Berufskolleg für Technik in Moers durchgeführt. Drei Klassen mit rund 60 Schülerinnen und Schülern waren beteiligt, beschäftigten sich über acht Wochen hin im Unterricht mit der Thematik. Wir hätten sogar noch länger daran arbeiten können, sagt die Lehrerin. Nach einer inhaltlichen Einarbeitungsphase hat sie den Auftrag gegeben, in Kleingruppen jeweils eine Website zum Thema Gewalt zu gestalten. Zehn Seiten sind es schließlich geworden, sie bieten detaillierte Informationen zur Thematik an. Eine zusätzliche Arbeitsgruppe analysierte ergänzend einen NPD-Wahlwerbespot.

Man wird im Internet regelrecht mit rechtsradikalen Seiten überschwemmt, stellt Monika Kappeler fest und meint: Da muss man ein Gegengewicht schaffen, damit Jugendliche beim Surfen auch mal andere Informationen finden. Zehn ansprechend gestaltete Seiten, die über eine gemeinsame Plattform verknüpft und im Internet veröffentlicht werden sollen, sind ein bemerkenswertes Ergebnis. Es zeigt: Auch an Berufsschulen können Projekte von größerem Umfang erfolgreich durchgeführt werden.

Entscheidend ist es dabei, über die Entstehung von Gewaltbereitschaft zu informieren, meint Monika Kappeler - denn bestimmte Muster liegen auch rechtsextremer Gewalt zugrunde. Auch die Differenzierung zwischen verschiedenen Gewaltformen ist auf den einzelnen Websites gut zu erkennen: Viele gehen vom konkreten Alltagserlebnis aus (Gewalt in der Schule) und unterscheiden dann zwischen physischer, psychischer, verbaler, sexueller und rassistischer Gewalt. Auch strukturelle Gewalt wird als Kategorie erwähnt.

Eine weitere Rubrik zieht sich wie ein roter Faden durch die übersichtlichen Websites: Hilfen zum Ausstieg aus der Gewalt. Lieber reden als schlagen, wenn man der Gewaltsituation schon nicht aus dem Wege gehen kann, lautet der Tenor; verbale Streitschlichtung und Mediation stehen im Zentrum der empfohlenen Strategien. Das Konzept verspricht Erfolg, nicht zuletzt unter den Projektteilnehmern selbst. Viele Schüler haben inzwischen erzählt: 'Das hat mir sehr geholfen', berichtet Monika Kappeler und plädiert dafür, immer wieder Alternativen zur Gewalt aufzuzeigen. Damit soll auch rechtsextreme Gewalt verhindert werden, meint die Lehrerin. Denn, so heißt es auf einer im Rahmen des Projekts erstellten Website: Gewalt wird unwiderruflich mit der rechtsradikalen Szene in Verbindung gebracht. Mehrere Gewalttaten, die von rechtsradikalen Gruppen oder Personen angerichtet wurden, werden dort beispielhaft erzählt; wer auf Was tun? klickt, findet Tipps zum Handeln, wer auf Hilfe finden! klickt, findet Anlaufstellen für Gewaltopfer und von Gewalt bedrohte Menschen. Praktisches Engagement - was kann ich gegen rechtsextreme Gewalt tun? - steht immer wieder im Mittelpunkt des "Schülerprojekts gegen Gewalt und Rassismus" aus Moers.

Anmerkung: die Webseite ist nicht mehr online

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