Sonderpreis DGB Jugend NRW

„Na dann, Mahlzeit – mit Biss gegen Mobbing, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit“ - Ein Projekt der Berufsschulklasse „Einzelhandel“ an den Kaufmännischen Schulen Rheine

Im Religionsunterricht arbeiten die SchülerInnen der Einzelhändler-Berufsschulklasse EHU 1 an den Kaufmännischen Schulen Rheine an den Themen Mobbing, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. Nachdem die Klasse unterschiedlichste Aspekte zu diesem Thema erarbeitet hatte, war vorgesehen, die Ergebnisse auf großformatigen Plakaten festzuhalten und sie dann in der Schulaula als Ausstellung zu veröffentlichen. So sollte unter den rund 2300 SchülerInnen der Kaufmännischen Schulen eine Diskussion zu den unterschiedlichen Ausprägungen von Mobbing, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus in Gang gesetzt werden.

Diese Planungen wurden dann komplett umgestoßen, nachdem die Klasse vom Wettbewerb „Die Gelbe Hand“ erfahren hatte. Den 22 SchülerInnen erschien eine Darstellung ihrer Recherche-Ergebnisse auf Plakaten nicht mehr nachhaltig genug. Ziel der Klasse war es, ein Projekt umzusetzen, dass langfristig angelegt ist und immer wieder auf das Thema aufmerksam macht. In diesen Zeitraum des Überdenkens fiel die Nachricht, dass die Schule zum kommenden Schuljahr 2015/16 einen Kiosk bekommt, in dem die Schülerschaft Getränke, Obst und kleinere Gerichte kaufen kann. Hierfür wird das Schulgebäude baulich verändert, so dass sich ein Teil der Aula in ein Schülercafé verwandeln wird und eine Küche entsteht.

In Zusammenhang mit dieser Umgestaltung entstand der Wettbewerbsbeitrag. Die Idee der Klasse war es, das weiße Porzellan für das neue Café mit bunt gestalteten Botschaften gegen Mobbing, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Rechtsradikalismus bedrucken zu lassen. Wer demnächst Kaffee oder Tee, Brötchen oder Kuchen, Suppe oder ein Menü ordert, der stößt spätestens beim letzten Bissen auf einen eindringlichen Hinweis zu den oben genannten Themen. Und wird so zum Denken angeregt. Jeden Tag aufs Neue, sobald er im Café etwas ordert. Im Vergleich zu der Plakat-Ausstellung hat diese Idee den Vorteil, dass auch die neuen SchülerInnen eines jeden künftigen Jahrgangs immer wieder auf die Themen aufmerksam gemacht werden. Der Effekt der Nachhaltigkeit, der den SchülerInnen so am Herzen lag, ist also damit nun gewährleistet.

Die Klasse hat dem Schulleiter diese Idee vorgetragen, die bei ihm auf große Zustimmung gestoßen ist. Er wird sich beim Schulträger, dem Kreis Steinfurt, für das Projekt einsetzen und um eine Mitfinanzierung bemühen. Darüber hinaus hat auch der Förderverein der Schule das Projekt als unterstützenswert beurteilt und ebenfalls finanzielle Hilfe zugesagt.

Da das Bedrucken des Geschirrs erst in einigen Monaten erfolgen wird, hat die Klasse nun beschlossen, ihr Engagement auszuweiten. Auch die VollzeitschülerInnen sowie die weiteren Berufsschulklassen sollen eingebunden werden. In einigen Wochen wird der Aufruf erfolgen, in den Klassen über die oben genannten Themen zu sprechen und nach einprägsamen Slogans zu suchen. Die besten zehn werden dann am Ende von der Klasse ausgesucht. Sie finden sich dann irgendwann auf den Tassen und Tellern wieder und bringen ihre Nutzer zum Nachdenken. Bei jeder Mahlzeit. Und sorgen hoffentlich dafür, dass die Schülerschaft der Kaufmännischen Schulen Rheine Biss gegen Mobbing, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zeigt.

Begründung der Jury

Wie kann man alle SchülerInnen einer Berufsschule auf ein Schlag erreichen? Wie kann man alle SchülerInnen jeden Tag und dauerhaft erreichen? Wie kann man SchülerInnen jeden Tag auf das Thema Rassismus aufmerksam machen, ohne dass es ein moralisch wertvoller aber wieder einmal langweiliger Vortrag wird?

Die SchülerInnen der Einzelhändler-Berufsschulklasse aus Rheine wollten eine Plakatausstellung in der Schulaula organisieren, um auf Mobbing und Rassismus aufmerksam zu machen. Diese Idee haben sie aber als nicht nachhaltig genug verworfen. Da kam die Nachricht über den Umbau und die Schaffung eines Schülercafés sehr gelegen. Die Idee der Klasse war es, das Porzellan - Tassen, Untertassen sowie kleinere und auch große Teller für die Menüs - mit bunt gestalteten Botschaften gegen Mobbing, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Rechtsradikalismus bedrucken zu lassen. Wer Kaffee oder Tee, Brötchen oder Kuchen, Suppe oder ein Menü ordert, der stößt spätestens beim letzten Bissen auf einen eindringlichen Hinweis für Akzeptanz und Weltoffenheit und wird so zum Denken angeregt. Jeden Tag aufs Neue, sobald er im Café etwas ordert.

Die SchülerInnen der Einzelhandel-Klasse an den Kaufmännischen Schulen Rheine haben mit ihrem Beitrag eine neue innovative und kreative Idee verwirklicht, sich gegen Rassismus zu engagieren. Mit der Aktion wird in lockerer Umgebung eine starke Botschaft verbreitet: Weltoffenheit und Akzeptanz gehört zum Alltag dieser Schule und ihrer SchülerInnen, so wie ein Becher zum Kaffee: es geht nicht ohne. Mit dieser Aktion.

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