Ein Blick in die Mitte!
Studie

Die Studie „Ein Blick in die Mitte!“ ist die Fortsetzung der Studie „Vom Rand zur Mitte“ und richtet den Fokus stärker auf die Entstehungsbedingungen rechtsextremer, aber auch demokratischer Einstellungen.
Die Studie kommt zu beunruhigenden Ergebnissen: So stellen die Forscherinnen und Forscher fest, dass ausländerfeindliche Ressentiments sehr selbstverständlich geäußert werden – auch von Personen, die in der ersten Studie nicht durch rechtsextreme Äußerungen auffielen. Der Druck zu Konformität und gesellschaftlicher Normierung ist hoch. Gleichzeitig gelten Sanktionen gegen abweichendes Verhalten als akzeptabel, so dass Migrantinnen und Migranten und Arbeitslose unter Anpassungsdruck geraten und Ausgrenzung erfahren. Diese Stigmatisierung geht mit dem Verlust des Schutzes vor staatlichem oder gesellschaftlichem Zugriff auf das betroffene Individuum einher.
Die Demokratie, bilanziert die Studie, wird lediglich als Garant individuellen Wohlstands akzeptiert. Erfüllt sie diese Funktion nicht, schwindet die Zustimmung zum demokratischen System. Auch die Möglichkeiten zur zivilgesellschaftlichen Teilhabe und demokratischer Mitbestimmung werden nicht wahrgenommen.
Autoritäre Denkstrukturen und Gewalterfahrungen haben nach wie vor eine hohe Bedeutung bei der Herausbildung rechtsextremer Einstellungen. Und auch die Weigerung, sich mit dem Nationalsozialismus zu beschäftigen fördert rechtes Denken.
Als Schutz vor rechtem Gedankengut identifiziert das Forscherteam die Fähigkeit, sich in andere Menschen und ihre Denk- und Sichtweisen einfühlen zu können, sowie die Erfahrung von Anerkennung. Auch die inhaltliche Beschäftigung und die emotionale Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus beugen rechten Einstellungen vor.