Toleranz-Offensive

Projekt der EVG Berlin

Toleranz-Offensive
Projekt
Erscheinungsjahr: 2013

Im Jahr 2013 rief die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) Berlin eine „Toleranz-Offensive“ ins Leben. Anlass war die hitzige Debatte um die Einrichtung eines Flüchtlingsheims im Berliner Stadtteil Hellersdorf, in dem rund 150 geflüchtete Menschen untergebracht werden sollten. Viele Anwohnerinnen und Anwohner fühlten sich von der politischen Entscheidung übergangen und äußerten ihren Unmut. In der Folge kam es zu Protesten – auch durch rechtsextrem beeinflusste Bürgerinitiativen, die gezielt Stimmung gegen Geflüchtete machten.

Mit ihrer Kampagne wollte die EVG ein klares Signal gegen Fremdenfeindlichkeit setzen und gleichzeitig zur Aufklärung und Versachlichung der Diskussion beitragen. Unter dem Motto „Keiner muss vor Berlinern flüchten – Berlin macht keinen übel an.“ entwickelte die Gewerkschaft eine öffentlichkeitswirksame Aktion, die gezielt den Alltag der Berlinerinnen und Berliner erreichte.

Kernstück der Initiative war die sogenannte „Rollende Toleranz“: Öffentliche Verkehrsmittel wie S-Bahnen, U-Bahnen und Busse wurden zu mobilen Plattformen für Toleranz und Menschlichkeit. Werbeflächen in den Fahrzeugen wurden mit Informationen und Bildern gestaltet, die Einzelschicksale von Geflüchteten dokumentierten. Persönliche Geschichten, Gesichter und Lebenswege machten die Fluchtursachen greifbar und ermöglichten einen emotionalen Zugang zum Thema – jenseits von Vorurteilen und anonymen Zahlen.

Ziel war es, möglichst viele Menschen direkt in ihrem Alltag zu erreichen und ihnen zu zeigen, was Menschen hinter sich lassen, wenn sie in Deutschland Schutz suchen: Krieg, Verfolgung, Folter. Die Entscheidung, diese Informationen in öffentlichen Verkehrsmitteln zu platzieren, war bewusst gewählt – denn genau dort begegnen sich Berlinerinnen und Berliner und Geflüchtete täglich.

Ergänzt wurde die Aktion durch ein weiteres Vorhaben: Die EVG plant den Einsatz sogenannter „Toleranz-Botschafter“. Diese sollen an ausgewählten S-Bahn-Stationen als Ansprechpersonen zur Verfügung stehen und insbesondere im Umfeld von Flüchtlingsunterkünften einen Info- und Lotsen-Service anbieten. Ziel ist es, praktische Hilfe zu leisten, Orientierung zu geben und aktiv zur Integration beizutragen.

Klaus Just, Vorsitzender der EVG Berlin, betonte den gesellschaftlichen Anspruch der Initiative:
„Viele machen sich kein Bild davon, was die Menschen, die als Flüchtlinge zu uns kommen, hinter sich haben – grausame Kriegserlebnisse, Verfolgung, Folter. Deren Gesichter und das, was sie erlebt haben, sollten in den Verkehrsmitteln dieser Stadt präsent sein. Genau da also, wo Asylsuchende den Berlinerinnen und Berlinern auch begegnen. Dort haben wir die Chance, in den Köpfen der Menschen etwas zu bewegen.“

Mit der „Toleranz-Offensive“ setzte die EVG Berlin ein starkes Zeichen: gegen Hass und Hetze – und für eine offene, solidarische Stadtgesellschaft.